
Er malt und zeichnet ganz kleine
Bilder, die Sie kaufen können.
Die bunte Ortsansicht in der Mitte des linken
Bildes misst genau 45 x 45 mm, das
Blumenmännchen rechts ist 8 x 8 cm groß.
Das sind nur zwei von vielen Hundert
Miniaturgraphiken des Künstlers.

Als Berufskünstler schuf ich in fast vier
Jahrzehnten Hunderte von Miniatur-
graphiken, schrieb und illustrierte
Bücher. Alles zu betrachten und
im Rahmen der Limitierung auch
käuflich zu erwerben im
MUSEUM ANTHON
in Ammerbuch-Breitenholz bei
Tübingen/Baden-Württemberg.
Auch Versand ist möglich.
Ein paar Beispiele meiner Arbeiten
folgen hier.

Oben: Fünf Beispiele von über 1300 Ortsansichten
im gerahmten Format von 10,5 x 10,5 cm.
Alle gezeichneten Orte unter
www.miniaturgraphiken.de
(Bitte notieren Sie die Webseite zum späteren Aufrufen).
Es folgt nun eine Auswahl von
MotivMiniaturen:
Gerahmtes Bild Originalgröße 10,5 x 10,5 cm.
Einzelpreis € 80,- + Versand € 2,-
Auf Wunsch schreibt der Künstler einen zum Anlass
passenden Text ins Bild.
Beim Zeigen auf ein Bild erscheint der Bildtitel. Wenn
nicht, einfach nach Bild-Nr. (unter den Bildern) bestellen.

Bild-Nr. A1- A3

Bild-Nr. A4 - A5

Bild-Nr. A6 - A7

B1 - B3

Bild-Nr. B3 - B6

Bild-Nr. B7, C1 - C2

Bild-Nr. D1 - D3

Bild-Nr. E1 - E2

Bild-Nr. E4 - E6
Bild-Nr. F1 - F4
Bild-Nr. F5 - F7
Bild-Nr. F9 - F12

Bild-Nr. F13
Bild-Nr. G1 - G3
Bild-Nr. G4 - G7

Bild-Nr. G8 (G8 = 6 Grafiken)

Bild-Nr. G9, H1 - H3

Bild-Nr. H4 - H7

Bild-Nr. H8 - H11

Bild-Nr. H12 - H13

Bild-Nr. H14 - H16

Bild-Nr. H17 - H20

Bild-Nr. H21 - H23

Bild-Nr. H24, H26

Bild-Nr. K1 - K3

Bild-Nr. K4 - K7

Bild-Nr. K8 - K9, L1 - L2

Bild-Nr. L3 - L4, M1

Bild-Nr. M2 - M5

Bild-Nr. M6 - M7

Bild-Nr. O1, P1 - P3

Bild-Nr. P4 - P5

Bild-Nr. P6 - P9

Bild-Nr. R1 - R3

Bild-Nr. R4, S1 - S3

Bild-Nr. S4 - S6

Bild-Nr. S7 - S10

Bild-Nr. S12 - S14, S17

Bild-Nr. S18

Bild-Nr. S19(Gedicht) - S21

Bild-Nr. S22 - S25

Bild-Nr. T1 - T4

Bild-Nr. T5

Bild-Nr. V1 - V2, W1 - W2

Bild-Nr. W3 - W5, W7

Bild-Nr. W8, Z1 - Z3
Oben: MotivMiniaturen
Beim Zeigen auf ein Bild erscheint der Bildtitel. Wenn
nicht, einfach nach Bild-Nr. (unter den Bildern) bestellen.
Gerahmtes Bild Originalgröße 10,5 x 10,5 cm.
Einzelpreis € 80,- + Versand € 2,-
Die besonders aufwändig herzustellenden Bildtitel Alte Fraktur
(Bild-Nr. A3), Dreiecke 50 (Bild-Nr. D3), Minitypo (Bild-Nr. M4)
und Ziffernmini (Bild-Nr. Z2) kosten jeweils € 460,-.
Auf Wunsch schreibt der Künstler einen zum Anlass
passenden Text ins Bild. Gratis.
Ihre Bildbestellung bitte per Mail an:
Die Liefermöglichkeit wird umgehend per Mail bestätigt. Der Ver-
sand erfolgt per Post im speziell gefertigten Miniaturenkarton.
Hier noch eines meiner Bücher:
Schäferkarren-Philosophie
Fest gebunden, 168 Seiten, zahlreiche Abbildungen.
€ 19,-; Versand € 2,-.
Für besondere Anlässe auch mit Original-Handzeichnung,
Widmung, Gruß vorne im Buch (Unikat), Aufpreis € 10,-

Schäferkarren-Philosophie
Gedichte und Geschichten eines Einsiedlers
Wer sich für eine Autorenlesung interessiert, erhält auf
eMail-Anfrage gerne weitere Infos. Der Film

„Hans Anthon - Portrait eines Einsiedlers“
könnte Teil Ihrer Veranstaltung sein. Bei Klick auf den
kleinen, grünen Schäferkarren, erfahren Sie mehr.
Wochentags erreichen Sie mich unter
der Museumsanschrift (Ausstellung und
mein Atelier), sonst bin ich fast un-
erreichbar in meinem Schäfer-
karren am Rand des Schönbuchs.
E-Mails werden regelmäßig gelesen
und beantwortet.
MUSEUM ANTHON
Forsthausstraße 10
72119 Ammerbuch-Breitenholz
Tel. 07073/7977 · Fax 07073/7008
eMail: hans-anthon-wagner@web.de
Praktische Links:
Für Ortsansichten: www.miniaturgraphiken.de/
Für Bücher: www.breitenholzer-igelverlag.de/
Museum: www.museum-anthon.de/
Eine schöne Zeit wünsche ich Ihnen.
... Ende der Webseite ...
Danke für Ihren Besuch!
Text aus SONNTAG AKTUELL ........................................ 20.12.2010
![]()
Leben im Schäferkarren
von Daniel Stahl
Hans Anthon Wagner ist eigentlich ein ganz normaler
Mensch. Er trinkt zwischendurch auch gerne mal ein
Schnäpsle und lebt davon, dass er kleine Bilder malt
und Gedichte schreibt. Nur seine Wohnung ist anders.

Klein aber fein: Hans Anthon Wagner lebt auf diesen vier Quadrat-
metern auf Rädern. Abends reichen ihm Kerzen zum Lesen. „Ich hab
hier jeden Abend Weihnachtsstimmung“, sagt der Mann im Schäfer-
karren. Foto: Meister
Was gibt es Schöneres, als bei Minus-Temperaturen in
ein warmes Zuhause zurückzukehren. Hans Anthon Wag-
ner dreht den Schlüssel im Haustürschloss, zieht den
Kopf ein und betritt seine Wohnung. Draußen hat der
Winter zum ersten Mal das Wasser in den Eimern gefrie-
ren lassen, Dach und Wiese sind mit Schnee überzogen.
Die Hände sind kalt. Drinnen ist es noch angenehm
warm. Im kleinen Ofen rechts neben der Tür glimmt ein
Stück Holz, gerade genug, um den Schäferkarren vor dem
Auskühlen zu bewahren.
Hans Anthon Wagner zieht die Türe zu, angelt aus einem
kleinen Fach in der Wand zwei Aststücke, öffnet die
quietschende gusseiserne Ofentür und gibt der Glut neue
Nahrung. Nach wenigen Minuten hört man die Holzschei-
te knacken, schnell tauen auch die Hände wieder auf. Die
Luft im Karren ist trotzdem frisch. Der Karren ist eben
nirgends ganz dicht. Der 64-jährige Schäferkarren-Be-
sitzer setzt sich auf sein Bett, für den Besuch bleibt die
Bank gegenüber. Würde Wagner seine Arme nach rechts
und links ausstrecken, könnte er beide Wände berühren.
Platzangst darf man hier nicht haben.
Der Kessel auf dem Ofen dampft schon, an den beiden
kleinen Fenstern und an der niedrigen roten Decke schla-
gen sich Tropfen nieder. Der Tee ist fertig. Jetzt ist Wag-
ner bereit zu erzählen. Warum er seit über 30 Jahren in
einem Schäferkarren lebt. Auf vier Quadratmetern. Ohne
Strom und Wasser. Die Geschichte beginnt, als Wagner
nach dem Studium von Kalifornien zurück in seine Hei-
mat kommt. Bald leitet er ein Designstudio. Gleichzeitig
bereist er die Umgebung, um die alten Orte für die Nach-
welt in Zeichnungen festzuhalten.
Auf einer seiner Touren mit dem Fahrrad skizzierte er
seine heutige Wohnung, den historischen Schäferkarren,
Baujahr 1864. Wagner sollte den Karren haben, sofern er
dem Gefährt einen standesgemäßen Standort bieten kön-
ne, so der alte Besitzer. So kaufte Wagner sich eine Wie-
se am Rand des Schönbuchs.
Hans Anthon Wagner hat aus der Schäfer-Behausung sei-
nen festen Wohnsitz gemacht. „Aus einer Laune heraus
habe ich im Spätherbst mal im Karren übernachtet“, er-
zählt er. Das war 1974. „Hier konnte ich einfach so für
mich sein.“ Das gefiel ihm. Bald darauf entschied er sich,
in den Karren umzuziehen. „Ich wollte das halt“, sagt er
und lacht zufrieden. Eine andere Erklärung bekommt man
nicht. Zumindest keine, die das Bedürfnis nach rationalen
Gründen zufriedenstellen kann. Vielleicht, weil es tat-
sächlich keine andere Antwort gibt. Hans Anthon Wagner
wollte das halt so. Wie andere sich ein Haus bauen, ent-
schied sich Hans Anthon Wagner dafür, in den Schäfer-
karren einzuziehen.
Familie, Eltern, Geschwister waren „nicht gerade begeis-
tert“ von der Idee. Doch sie haben sich damit angefreun-
det. Wagner übergab seine Grafikagentur seinen Mitar-
beitern und konzentrierte sich auf seine Ortsansichten
und Gedichte, die er vor allem in und vor seinem Schä-
ferkarren verfasst. „Anfangs war ich hier auch von Lang-
eweile geplagt“, erinnert er sich. Doch der Schäferkar-
ren-Bewohner kommt gut mit sich selbst klar. „Hier kann
ich auch mal einen Gedanken zu Ende denken.“ Und er
hat ein Brettspiel entwickelt, das er mit sich selbst spie-
len kann, ohne zu wissen, wer gewinnt – er oder er.
Doch mit Robinson Crusoe oder dem Alm-Öhi hat das Le-
ben von Hans Anthon Wagner wenig zu tun. Er fühlt sich
nicht ständig als Einsiedler. „Ich treffe ja immer noch
Leute.“ Auch Aussteiger sei falsch, weil er sich nicht
ganz von der Gesellschaft ausschließt. Wer ihn auf der
Straße trifft, sieht einen höflichen aufmerksamen Mann
mit grauen Haaren und einer Weste aus Schaffell. Hans
Anthon Wagner ist einfach ein Mann, der lieber in einem
Schäferkarren auf einer Wiese wohnt.
Sein Wohngrundstück hält Wagner geheim, nur wenige
kennen den Weg. Der Schäferkarren steht irgendwo am
Waldrand am südlichen Hang des Schönbuchs und so gut
versteckt, dass kaum jemand zufällig vorbei kommt.
Manche Wanderer finden die Klause doch. Dann schrei-
ben sie auf die raue grau gestrichene Karrenwand, von
der an einigen Stellen schon die Farbe abblättert, kleine
Nachrichten: „Das ist ein Leben, wie ich es mir wün-
sche“. Irgendwo steht auch: „Kann ich hier einziehen?“
„Leider nein. Schon besetzt“, hat der Bewohner darunter
vermerkt. Doch wenn Hans Anthon Wagner zu Hause ist,
lädt er Wanderer gerne auf ein Schwätzchen vor seinem
Karren ein, von wo man die ganze Gegend überblickt. Ein
Gast war so fasziniert, dass er den Schäferkarren beim
Denkmalamt als Kleindenkmal gemeldet hat.
Tatsächlich ist der Karren eine Mischung aus Denkmal
und Museum. Hier erlebt jeder Besucher, wie wenig
Raum einem Menschen zum Leben reichen kann. Viele
Leute haben Betten, die so groß sind wie der ganze Schä-
ferkarren. Das Leben ist überschaubar hier draußen am
Waldrand. Über dem schmalen Bett auf einem Brettchen
hat Wagner einige Bücher, daneben liegen Bleistifte für
Notizen und Skizzen. Über dem Tisch an der hinteren
Karrenwand lagern in zwei Regalfächern Brot, Käse und
selbst gemachte Marmelade. Neben dem Essensregal
hängen Kleiderbügel. Kein Platz ist verschwendet. Das
Esszimmer ist das Wohnzimmer, das Wohnzimmer ist
auch das Schlafzimmer. Nur das Bad ist draußen.
Hans Anthon Wagner öffnet die Karrentür, tritt einen
Schritt von seiner Wohnung auf die Erde herunter. So
kann er bequem in den Spiegel sehen, der an der geöffne-
ten Türe hängt. Im Bad ist es heute recht kalt. Die Kat-
zenwäsche fällt aus, das Wasser, das Wagner von seinem
Dach sammelt, ist eingefroren. Zum Zähneputzen reicht
eine Hand voll Schnee. Das stille Örtchen hat sich
Wagner weit hinter seinem Karren im Gebüsch gebaut.
Nach dem Aufstehen geht Hans Anthon Wagner in sein
Künstleratelier. Auf einem Trampelpfad läuft er nach
Breitenholz. Auf der gefrorenen Erde knirscht der Schnee
unter seinen Sohlen, während er sich unterwegs unter
Ästen duckt, die fast sein Gesicht streifen. In Breitenholz
hat er sich ein Atelier samt Werkstatt eingerichtet, seinen
Arbeitsplatz, den er jeden Wochentag einnimmt. „Ich
glaube, diese Disziplin ist notwendig. Sonst kriegst du
nichts zustande.“ Rund 1300 Ortsminiaturen hat Wagner
gezeichnet – Häuser- und Dorfansichten aus der gesamten
Umgebung. Jedes einzelne der 1300 Bilder hat er spiegel-
verkehrt auf eine Kalkschieferplatte übertragen und damit
200 Abzüge gedruckt. Nach über 30 Jahren mit den Orts-
miniaturen hat es ihm dann gereicht. „Ich war mit Ernst
dabei und hab das auch gerne gemacht, doch jetzt muss
mal wieder mehr Humor in meine Arbeit.“
Heute zeichnet er witzige kleine Bildideen, die er mit
Sprüchen versieht. Zeichnen ist sein Broterwerb. Zwar ist
das Leben am Waldrand nicht teuer. Aber auch ein selbst-
ständiger Einsiedler bezahlt Steuern, hat Portokosten,
braucht Arbeitsmaterial. Etwas Geld spart Wagner auch
für das Alter, falls er irgendwann aus seinem Karren
ausziehen muss.
Am Abend macht sich Hans Anthon Wagner auf den
Heimweg. Eine Dusche gibt es im Atelier, auch einen
Schrank, aber keine Matratze. „Manchmal habe ich
abends keine Lust mehr, noch den weiten Weg den Berg
hoch zu laufen“, sagt er. „Doch am nächsten Morgen bin
ich wieder glücklich, dort oben aufzuwachen.“
Klick zurück zum Künstler Hans Anthon Wagner
Hans Anthon Wagners erste Zeichnung seines
Schäferkarrens kann man seit 1976 alle zwei Jahre auf
dem Plakat zum Wildberger Schäferlauf entdecken. Der
Künstler hat es im Auftrag des damaligen
Bürgermeisters, Eberhard Seewald, entworfen.
Plakat zum Wildberger Schäferlauf

Seit 1723 feiert das Schwarzwaldstädtchen Wildberg
seinen Schäferlauf. Besucher von nah und fern sind
eingeladen, den Umzug durch die Straßen und den
Wettlauf der Schäferinnen und Schäfer zu erleben.
Überall machen Plakate das Ereignis bekannt, doch kaum
jemand weiß, dass im abgebildeten Schäferkarren ein
Dichter und Maler seinen Traum vom Leben, fern aller
zivilisatorischen Errungenschaften, verwirklicht hat.
Klick zurück zum Künstler Hans Anthon Wagner
Pressetext Stuttgarter Zeitung
Dichterworte aus dem Schäferkarren
Hans Anthon Wagner lebt in einem winzigen Pferchkarren

Kürzlich ist Hans Anthon Wagner aus seinem Schäferkarren
ausgezogen. Zwei verliebte Zwanzigjährige wollten erkunden,
was es mit dem berühmten Schäferstündchen auf sich hat.
Hans Anthon Wagner hat die Geschichte der zwei in seinem
Buch „Schäferkarren-Philosophie“ aufgeschrieben. Illustriert
hat er es auch.
Der 64-Jährige ist studierter Grafiker. Tagsüber verdient er
sich in seinem Atelier im Dorf Breitenholz im Landkreis
Tübingen die Brötchen mit Miniaturgraphiken von Dörfern
und Städten - von A wie Affstätt bei Herrenberg bis Z wie
Zittau/Oberlausitz. Ein erfolgreicher Mann, er beschäftigte
mehrere Mitarbeiter. Doch das kann’s nicht gewesen sein,
sagte sich der Schwabe vor dreißig Jahren, verschenkte
einen Großteil seiner Firma - und verliebte sich auf der Alb
in den 1864 erbauten Schäferkarren. „Du kriegst ihn, wenn
Du für ihn einen passenden Platz findest und ihn in Ehren
hältst“, sagte der Besitzer. Hans Anthon Wagner fand einen
Platz am Naturpark Schönbuch.
Im Vogelkasten am Apfelbaum überwinterte ein
Siebenschläferpärchen. In der Regentonne sammelt er das
Nass, neben dem schmalen Spiegel hängt der Rasierpinsel.
Das Plumpsklo ist im Grün versteckt.
Häuser faszinieren ihn, ihr Aussehen, die Farbe, die
Wetterspuren, die Umgebung in der sie stehen: „Häuser
haben Charakter wie Menschen.“ Das hält er in
zwölffarbigen Lithographien fest, abgezogen auf einer
schwarzen Druckpresse von 1900. „Häuser sind auch nur
Menschen“ heißt das Buch, in dem sie veröffentlicht sind.
Besucher in seinem Atelier, die seine Bilder sammeln,
verfolgen fasziniert die Arbeit an der alten Maschine.
Als Hans Anthon Wagner nach der Restaurierung des alten
Schäferkarrens vor 37 Jahren ins 1,80 mal zwei Meter
kleine Geviert einzog, wollte er anfangs nur wissen, wie es
sich drei Herbstmonate lang im engen Raum lebt. Damals
war es ihm ein Rätsel. Heute schwingt er sich allabendlich
nach Arbeitsschluss auf sein Fahrrad und radelt hinauf.
An der Holzwand im Schäferkarren hängt ein Blatt mit
Schopenhauers Aphorismus: „Das Leben ist nichts anderes
als die Vorstellung davon, die im Kopf stattfindet.“ Und
unterm kurzen Vordach baumelt die Petroleumlampe.
Wenn die Igel in der Dämmerung durchs Gras huschen,
blickt ihnen Hans Anthon Wagner nach. Links neben der
Tür notiert er mit Kreide auf einer kleinen Schiefertafel
nicht zu Vergessendes.
Das Wiesengrundstück, auf dem der Karren steht, misst gut
20 Ar. Unter der kaum einen Meter dicken Bodenkruste
drängt sich Gipsgestein. Ein Kanonenofen schenkt mit
Buchenscheiten im Winter Wärme. „Wenn ich hier drinnen
liege und der Regen aufs Dach prasselt ist das eine Musik,
bei der man wunderbar schlafen kann“.
Stuttgarter Zeitung: Lotte Schnedler / Foto Grohe
- Klick zum Künstler Hans Anthon Wagner -
Auch die Ulmer SÜDWEST PRESSE hat sich mit
dem Einsiedler beschäftigt.
SÜDWEST PRESSE
23.7.11 Evangelischer Pressedienst / Birgit Vey
Niemals Ärger mit den Nachbarn
Im Schönbuch lebt Hans Anthon Wagner seit
36 Jahren in einem alten Schäferkarren.
Er hat das Zuhause der ausgefallenen Art: In einem alten
Schäferkarren im Naturpark Schönbuch lebt der Künstler
Hans Anthon Wagner.
Mitten im Schönbuch, von Bäumen eingerahmt, liegt das
gerade mal 1,80 Meter breite Mini-Heim. Besucher müssen
einen Berg hinaufkraxeln, wenn sie zu Hans Anthon Wagner
wollen. Zwischen Kirsch-, Zwetschgen- und Nussbäumen
finden sie ihn. Im Sommer sitzt er gerne draußen auf seiner
alten Holzbank, umgeben von Wildblumen, und genießt den
Blick über das Tal.
Hinter ihm steht sein ganzer Stolz: ein Schäferkarren aus
dem Jahr 1864. Dem Wagen sieht man sein Alter an: Schon
etwas abgeblättert ist die graue Farbe. Auf Holzrädern steht
er, und an einer Seitenwand ist ein Metallrohr, der Rauch-
abzug für den Gussofen im Inneren. Eimer, die am Wagen
befestigt sind, dienen dem eigenen Wasserbedarf, andere
stellt Wagner für die Waldtiere hin. Hasen und Rehe zählen zu
den häufigsten Gästen, auch Siebenschläfer tummeln sich in
der Nähe.
Als Toilette dient ein Plumpsklo, das hinter Gebüschen
versteckt ist. Regenwasser sammelt Wagner in einer Tonne,
die im Boden eingegraben ist. Dennoch schüttelt der 66-
Jährige den Kopf, wenn man ihn fragt, ob das nicht zu wenig
Komfort sei. Das Leben mitten in der Natur und die Einsamkeit
seien das, was er als Luxus empfinde. Seit 36 Jahren lebt
Wagner nun auf diese ungewöhnliche Weise. “Das hatte ich
ursprünglich gar nicht vor”, erinnert er sich.

Himmlische Ruhe herrscht in und um Hans Anthon Wagners
Domizil. Der Künstler hat sich einen alten Schäferwagen
zur Wohnung erkoren. Foto: epd
Bei der Suche nach Motiven - er zeichnet gerne Altstadt-
ansichten - war Wagner fündig geworden: Auf einem Bauern-
hof sah er den Schäferkarren. Wenn er einen angemessen
Platz für den Karren finde, könne man über einen Verkauf
sprechen, sagte der Besitzer. Als Wagner einen geeigneten
Platz fand, bekam er den Karren sogar geschenkt. Die Wiese
wurde gekauft und der Karren per Schlepper auf den 800
Meter hohen Berg gezogen.
Doch die erste Nacht im selbst restaurierten Zuhause war
alles andere als toll. “Zu wissen, dass die nächste mensch-
liche Siedlung zwei Kilometer weit entfernt lag, war unange-
nehm”, meint Wagner. Zeit brauchte er auch, um sich daran zu
gewöhnen, keine Gesprächspartner zu haben. “Ich probiere
mal aus, ob ich das aushalte”, entschied sich Wagner, der
mittlerweile findet: “Das ist mein idealer Wohnsitz.” So kann er
sich heute gar nicht mehr vorstellen, in einer gängigen Miets-
wohnung zu leben. Der Verkehr und die Rücksichtnahme auf
Nachbarn wären ihm zu anstrengend.
Besuch ist selten. Meist verbringt Wagner die Zeit alleine im
zwei Meter langen Wagen. “Mit meinen 1,82 Metern Körper-
größe ist er genau richtig“, schmunzelt er. Im Schäferkarren
stehen ein kleiner Tisch, eine Sitzbank und ein paar Regale.
Strom fehlt. Wer hier wohnt, der kommt ohne Kühlschrank,
Fernseher, Waschmaschine und Radio aus.
Ganz von der Zivilisation hat sich Wagner aber nicht verab-
schiedet. Für seine künstlerischen Arbeiten nutzt er ein Atelier
im nahe gelegenen Dorf Breitenholz. Dort besuchen ihn auch
seine Freunde. Trotzdem kehrt er gerne in sein menschen-
leeres Reich zurück.
- Klick zum Künstler Hans Anthon Wagner -